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Die Krankenkassen müssen bluten Die Versicherer machen riesige Verluste, die Kunden zahlen die Zeche: Die Grundversicherungsprämien schlagen 2010 um mehr als zehn Prozent auf. Ungebremst steigende Gesundheitskosten, künstlich tiefgefrorene Prämien, jetzt auch noch die Folgen der Finanzkrise: Nach drei relativ bescheidenen Aufschlägen (2,2, 0,5 und 2,6 Prozent) in der obligatorischen Grundversicherung müssen die Kassenchefs ihre Versicherten 2010 brutal zur Kasse bitten. Stefan Kaufmann (42), Direktor des Branchenverbands Santesuisse: «2010 werden die Prämien über zehn Prozent erhöht werden müssen.» Der Grund: Alle Versicherer schreiben tiefrote Zahlen, wie das Beispiel des Branchenleaders Helsana zeigt: Nach Schätzungen von SonntagsBlick beträgt der Konzernverlust gegen 200 Millionen Franken, über die Hälfte davon fällt im Geschäft mit der obligatorischen Grundversicherung an. Und Kaufmann bestätigt: «2008 übersteigt der Verlust aller Krankenversicherer im Grundversicherungsgeschäft eine Milliarde Franken.» Das sind knapp fünf Prozent der Einnahmen von 20 Milliarden Franken. Mitschuldig am Debakel ist der für das Gesundheitswesen zuständige Pascal Couchepin (66). Der Trick des Bundespräsidenten: Im Vorfeld des Wahljahrs 2007 verordnete er den Kassen eine Senkung ¬ihrer Reserven, damit die Aufschläge moderater ausfallen. Doch diese Rechnung konnte nicht aufgehen. Nun haben die Auswirkungen der Finanzkrise – massive Buchverluste in den Anlagevermögen und tiefere Finanzerträge – und höher als erwartet ausgefallene Kosten-erhöhungen in der Grundversicherung die Defizite noch angeheizt. Reservenpolster von 1,2 Milliarden Franken sind praktisch vernichtet. Trotz Warnungen von Seiten der Versicherungsbranche verlangte Couchepin für 2009 erneut nicht kostendeckende Prämien. Daher schreiben die Kassen weiter rote Zahlen. Deshalb werden die Reserven in der Grundversicherung Ende 2009 den vorgeschriebenen Minimalsatz von zehn Prozent der jährlichen Prämieneinnahmen unterschreiten, betont Kaufmann. Um die Ausgaben für Gesundheitsleistungen wieder decken zu können, sind die Kassen daher spätestens 2010 gezwungen, ihre Prämien wieder brutal anzuheben. Branchenkenner schliessen nicht einmal aus, dass einzelne Anbieter bereits im nächsten Jahr aufschlagen. Couchepin-Sprecher Jean-Marc Crevoisier: «Das scheint mir eine gewagte Prognose. Denn noch kennen wir die Zahlen der Kassen nicht.» Und Couchepin? Er dürfte spätestens im nächsten Herbst seinen Rücktritt erklären, um die Prämienaufschläge nicht mehr kommentieren zu müssen. Nach einer Meldung von «Le Matin» bereitet der Gesundheitsminister bereits den Bezug eines Büros in seinem Heimatort Martigny VS vor. Quelle: Blick, 21.12.2008 Archiv: |